Die Vielfalt sexueller Vorlieben und Neigungen

Was ist normal und was pervers?

Unrühmlich Geschichte

Über Jahrhunderte prägten die Kirchen mit ihrer Moral diese Diskussion. Die Kirchen betrachten teilweise bis heute Menschen mit speziellen Neigungen als sündig, veranstaltete regelrechte Hexenjagden, verbrannten Mensch auf dem Scheiterhaufen oder warfen sie in Ketten und Kerker. Beispielsweise Homosexuelle wurden immer wieder von solchen Ausgrenzungen betroffen. Die Frage was normal oder pervers ist fand im 19 Jahrhundert Eingang in die medizinische Lehre und Forschung. Als erster begann von Krafft-Ebing in seinem Werk Psychopathia sexualis von 1894 eine systematisch Darlegung von speziellen Vorlieben und Neigungen. Kurze Zeit später folgte Freud mit seiner Sexualtheorie, die die Diskussion mit der Psychoanalyse bis heute beeinflusst. Die Medizin und Psychiatrie waren aber stark vom Zeitgeist geprägt und beurteilten Menschen mit speziellen Neigungen als krank, abartig oder in jüngerer Zeit als gestört. Damit unterstützte die Medizin die alten Vorurteile, sodass sie bis etwa zur Jahrhundertwende (2000 Jahre) mithalf, Menschen mit speziellen sexuellen Neigungen wie Fetischismus, Exhibitionismus oder Sadomasochismus als abnormal zu stigmatisieren und auszugrenzen. In der Medizin wurde bis vor kurzem ihr Verhalten als abnormal, deviant, krank oder gestört beurteilt oder diagnostiziert.

Die sexuelle Befreiung

Die Betrachtungsweise von Sexualität und dem Sexualverhalten hat sich in der Gesellschaft in den letzten 50 Jahren völlig geändert. Die Moral der letzten 2000 Jahre wurde über Bord geworfen und wich einer sachlichen Einstellung. Dieser Zeitgeist wirkte sich auch auf die Medizin und Psychiatrie aus. Beispielsweise wird Homosexualität heute in der Medizin nicht mehr als krankhaft eingestuft und Homosexuelle werden nicht mehr diskriminiert. Der Zeitgeist wirkt sich auch auf die Medizin aus. Die neuere Disziplin Sexualmedizin konnte sich weitgehend von den althergebrachten Vorurteilen befreien und erforscht die Natur der menschlichen Sexualität wissenschaftlich. So erforscht sie auch seltenere Phänomene der menschlichen Sexualverhaltens und ordnet sie unter der Vielfalt menschlichen Sexualverhaltens ein. Allerdings wird nur ein Sexualverhalten als problemlos betrachtet, wenn es keine Opfer gibt.

Fiedler, andere Sexualtherapeuten und Mediziner teilen denn auch die speziellen sexuellen Vorlieben in grundsätzlich zwei Kategorien ein, in sexuelle Neigungen, bei denen es keine Opfer geben sollte: a) „eher unproblematische Vorlieben“ und b)„eher problematischen Neigungen, die sogar gefahrvoll sein können“ wo Opfer vorkommen. Das Kriterium für diese Unterscheidung, ist ob es Opfer geben kann, die unter dem Sexualverhalten leiden und /oder unfreiwillig Teil des Spiels werden. Behandlungen werden dort angeboten, wo die Betroffenen oder Partner darunter leiden.

Eher Nicht problematische Vorlieben und Neigungen

Zu den nicht problematischen sexuellen Neigungen gehören solche, wo es praktisch nie ein Opfer gibt.

Ø  Fetischismus

Ø  Transvestismus und Transsexualität

 

Allerdings können auch solche speziellen Vorlieben bei Mitmenschen zu Irritationen führen.

Insbesondere können Partnerschaftsprobleme auftreten. In diesen Fällen ist der Betroffene so stark auf seine Neigungen fixiert ist, dass er die Partnerin/den Partner sexuell vernachlässigt oder letztere sich nicht mehr sexuell attraktiv fühlt. Meist versucht der Betroffene seine Neigungen zu verstecken und abzustreiten, was zu einem Vertrauensverlust mit Krise in der Partnerschaft führt. Dies ist insbesondere bei süchtigem Verhalten der Fall, was durch die leichte Verfügbarkeit von elektronischen Medien stark begünstigt wird. Beispiele dafür sind Pornosucht oder Fetischismus.

 

Beratung/Psychotherapie

 

Bei genügender Motivation und Engagement beider Partner kann diese Krise bewältigen. Häufig hilft eine Beratung oder eine Paar- und Sexualtherapie damit das Paar gegenseitige Vertrauen wieder zu erarbeiten, damit das Paar die Partnerschaft weiter pflegen und aufbauen möchte, ist eine Sexual- und Paartherapie angezeigt.

 

Eher problematische und gefahrvolle Neigungen

Ø  Voyeurismus

Ø  Exhibitionismus

Ø  Frotteurismus

Ø  Sexueller Sadomasochismus (BDSM)

Ø  Pädophilie

Ø  Sexuelle Gewalt

 

Straftaten und sexuelles Recht

Sexuelle Straftaten sind Handlungen, die gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen gerichtet sind und somit die sexuellen Rechte verletzen. Dazu gehören:

Ø  Nicht einvernehmlich erfolgte sexuelle Kontakte durch Vergewaltigung oder andere sexuelle Übergriffe

Ø  Das nicht einvernehmliche Berühren anderer Personen, das sexuell motiviert ist.

Ø  Das öffentliche Entblössen der Geschlechtsteile um sich sexuell zu stimulieren

Ø  Sexuelle Übergriffe von Jugendlichen oder Erwachsenen von deutlich jüngeren Kindern, auch wenn es im scheinbaren Einvernehmen geschieht.

Ø  Sexuelle Aktivitäten mit abhängigen Personen, z. B. in Institutionen oder bei privaten Kontakten

 

Häufigkeit

Spezielle sexuelle Vorlieben und Neigungen sind nicht häufig. Bei Menschen, die diese Neigungen ausleben, dürfte es sich um wenige Prozente der Bevölkerung handeln. Eine repräsentative Studie aus Australien aus dem Jahre 2008 ergab, dass nur jeder 56 Befragte im vorangegangenen Jahr Sadomasochismus (BDSM) praktizierte. Hingegen gaben etwa je die Hälfte der Männer und Frauen an, gelegentlich sadomasochistische Phantasien zu haben. Bei den meisten speziellen Vorlieben sind Männer deutlich übervertreten; eine Ausnahme dürfte der Sadomasochismus sein.

 

Was ist die Ursache für die Vielfalt menschlichen Sexualverhaltens und –Erlebens?

Die Entstehung von der Vielfalt menschlichen Sexualverhaltens wird letztlich noch nicht verstanden. Im Einzelfall mögen Entstehungsgeschichten nachvollziehbar sein. Die eigentlichen Ursachen sind noch nicht bekannt. Sie sind Schicksal und nicht Wahl: Keiner hat sich seine sexuellen Präferenzen ausgesucht. Häufig treten sie in der Pubertät auf und sind dann kaum noch veränderbar. Manchmal hat ein Mensch sein Coming out erst später, was ja viele in ihrem Bekanntenkreis beobachten.

 

Gibt es behandlungsbedürftige sexuelle Neigungen und Vorlieben?

Da heute spezielle sexuelle Neigungen und Vorlieben nicht als krankhaft oder gestört betrachtet werden, ist grundsätzlich keine Therapie angezeigt. Nicht selten kommt es vor, dass der Betroffene oder die Partner unter einem problematischen Verhalten leiden. Menschen mit problematischen oder gefahrvollen Verhalten (z.B. beim Sadomasochismus oder Pädophilie) können lernen ihr Verhalten anzupassen: Initiative „kein Täter sein“ bei Pädophilen Menschen, damit sie nicht straffällig werden.

 

März 2019/Ap

Fetischismus

Ein wenig Fetisch steckt in jedem von uns

Fetische sind Objekte, die Menschen sexuell erregen, und der sexuellen Befriedigung dient. Fetische können unbelebte, leblosen Gegenstände sein. Bekannte, häufige Fetische sind Seide, Strümpfe, Latex oder Lederkleider Puppen. Aber auch aber auch Körperteile, wie Brüste, der Po, die Geschlechtsorgane, die Füsse, Hände, Augen, Sixpack, Bizeps, lackierte Finger- oder Fussnägel können Menschen faszinieren und sexuell erregen. Die Liste der Spielzeuge und Körperteile scheinen unendlich. Die Beispiele zeigen auch dass in der Liebe jeder seinen Fetisch findet, wie schon der französische Psychologe Alfred Binet schon 1887 schrieb. In der Medizingeschichte wurde später Fetischismus als etwas krankhaftes bezeichnet. Die moderne Sexualmedizin ist wieder zur Auffassung von Pinet zurückgekehrt.

Die Ursache, warum ein Mensch gerade auf einen bestimmten Fetisch steht, ist unbekannt. In der Forschung werde genetische und erworbene, also erlernte oder beide Möglichkeiten diskutiert. Z.B. können Fetische durch Masturbation und Pornos konditioniert werden. Fetische sind eher für Männer interessant, weil bei Ihnen im Allgemeinen eher Erregung übers optische stattfinden.

Fetische können lebenslang bestehen bleiben, gerade wenn sie schon als Kind auftraten oder können auch verschwinden, gerade wenn die Paarsexualität wichtiger wird. Fetischismus ist also etwas sehr häufiges und nicht per se problematisch oder ein gestörtes Verhalten.

Wenn das Interesse am Fetisch kann losgelöst vom Partner als Person wichtiger ist sein. Dadurch kann sich der Partner sexuell nicht mehr attraktiv fühlt, was auf das Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Sie fühlen sich dann aussen vor, was zu Paarproblemen führen kann

Wo beginnt aber Fetisch problematisch zu werden?

Fetischismus kann selbstschädigend sein. Beispiele dafür sind das Einführen Gegenstände in Körperöffnungen oder Penis in das Staubsaugerrohr stecken. Problematisch ist auch wenn die Gesundheit des Partners beeinträchtigt wird, wie Infektionen durch Körperflüssigkeiten.

Februar 2019/Ap

Weitere Informationen …

Sexuelle Vorlieben: Ein bisschen Fetisch steckt in uns allen

Zeit PODCAST vom 26.3.2018: IST DAS NORMAL / SEXUELLE VORLIEBEN: Ein bisschen Fetisch steckt in uns allen

Fetischistischer Transvestitismus

Diese Störung unterscheidet sich vom einfachen Fetischismus dadurch, dass Fetischgegenstände oder Kleidung nicht nur getragen werden, sondern auch den Anschein erwecken sollen, dass es sich um eine Person des anderen Geschlechts handelt. Meistens wird mehr als ein Gegenstand getragen und oft handelt es sich um eine vollständige Ausstattung mit Perücke und Makeup.
Fetischistischer Transvestitismus unterscheidet sich vom transsexuellen Transvestitismus durch die deutliche Koppelung an sexuelle Erregung und das starke Verlangen, die Kleidung nach dem eingetretenen Orgasmus und dem Nachlassen der sexuellen Erregung abzulegen.

Exhibitionismus

Es besteht die wiederholte oder ständige Neigung, das Genitale vor meist gegengeschlechtlich Fremden in der Öffentlichkeit zu entblössen, ohne zu einem näheren Kontakt aufzufordern oder diesen zu wünschen. Meist wird das Zeigen von sexueller Erregung begleitet und kommt es zur Masturbation.
Die meisten Exhibitionisten empfinden ihren inneren Drang als schwer kontrollierbar und persönlichkeitsfremd. Wenn das Opfer erschrocken, ängstlich oder beeindruckt ist, erhöht dies häufig die Erregung des Exhibitionisten.

Voyeurismus

Es findet sich der Drang, anderen Menschen bei sexuellen Aktivitäten oder bei Intimitäten, beispielsweise beim Entkleiden, zuzusehen. Es passiert in der Regel heimlich und führt zu sexueller Erregung und Masturbation. Dem Voyeur ist die strikte Anonymität und Heimlichkeit sehr wichtig. Das Gleiche gilt für die prickelnde Gefahr, entdeckt zu werden.

Pädophilie

Was ist Pädophilie?

Pädophilie bedeutet sexuelles Interesse von Erwachsenen an Kindern, die sich zumeist in der Vorpubertät oder im frühen Stadium der Pubertät befinden. Manche Pädophile haben nur an Mädchen, andere nur an Knaben Interesse. Pädophilie kommt bei Frauen selten vor. Unter den Pädophilen gibt es auch Männer, die eigentlich erwachsene Sexualpartner vorziehen, bei der Aufnahme oder in einer Partnerschaft dauernd frustriert werden und sich deshalb ersatzweisen Kindern zuwenden. Männer, die ihre eigenen Kinder im Alter der Vorpubertät sexuell belästigen, nähern sich manchmal auch anderen Kindern. Beiden Fälle werden als Pädophilie bezeichnet.  (Definition nach ICD-10 der WHO)

Viele Menschen mit pädophilen Neigungen setze ihre Fantasien nicht in ein pädophiles Verhalten um. Erst das Umsetzen der pädophilen Neigungen und Phantasien in entsprechendes Verhalten ist problematisch.

Pädophilie ist keine Wahl, sondern Schicksal

Menschen mit Vorlieben für vorpubertäre Körper haben ihre Neigung nicht gewählt.  Wie Pädophilie entsteht ist unklar, ebenso wie andere sexuelle Orientierungen z.B. Heterosexualität oder Homosexualität. Viele Betroffene berichten, dass sie ihre Neigung im Verlauf der Jugend bemerkt haben. Allerdings ist ihnen zu diesem Zeitpunkt die pädophile Neigung gar nicht bewusst, weil Kinder noch zu nahe an ihrem Alter liegen. Meist wird ihnen erst später bewusst und müssen sich ihre Neigungen eingestehen, vielleicht wenn sie schon in einer Partnerschaft sind.

Pädophilie kann nicht wegtherapiert werden. So bleibt einem pädophilen Menschen nur, seine Neigungen zu erkennen und nicht auszuleben. Dafür sind Therapien und Prävention ausgelegt. Ein Teil der Pädophilen schließt sexuelle Kontakte mit Kindern für sich aus. Ursachen hierfür können zum einen die Befürchtung juristischer und sozialer Konsequenzen sein, zum anderen gibt es Pädophile, die sich der ethischen und moralischen Problematik ihrer sexuellen Wünsche bewusst sind und deshalb sexuelle Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen grundsätzlich ablehnen.

 

Problematische Verhalten

Die neuere Disziplin Sexualmedizin konnte sich weitgehend von den althergebrachten Vorurteilen befreien und erforscht die Natur der menschlichen Sexualität wissenschaftlich. So erforscht sie auch seltenere Phänomene der menschlichen Sexualverhaltens und ordnet sie unter der Vielfalt menschlichen Sexualverhaltens ein. Allerdings wird nur ein Sexualverhalten als problemlos betrachtet, wenn es keine Opfer gibt.

Fiedler, andere Sexualtherapeuten und -mediziner teilen denn auch die speziellen sexuellen Vorlieben in grundsätzlich zwei Kategorien ein, in sexuelle Neigungen, bei denen es keine Opfer geben sollte: a) „eher unproblematische Vorlieben“ und b)„eher problematischen Neigungen, die sogar gefahrvoll sein können“ wo Opfer vorkommen. Das Kriterium für diese Unterscheidung, ist ob es Opfer geben kann, die unter dem Sexualverhalten leiden und /oder unfreiwillig Teil des Spiels werden. Behandlungen werden dort angeboten, wo die Betroffenen oder Partner darunter leiden. Folglich werden pädophile Handlungen als problematisch und gefahrvoll eingestuft. Aus diesem Grunde wurden die Initiativen «kein Täter sein» gegründet.

Prävention und Therapie

Präventionsarbeit mit potentiellen Sexualstraftätern existiert bislang kaum. Das Projekt «Kein Täter werden» an der Berliner Charité bietet „Therapie zur Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch und dem Konsum von Missbrauchsabbildungen“ an. Mittlerweile existieren Standorte des Projektes in weiteren Städten und Standorten, die sich zum Präventionsnetzwerk «Kein Täter werden» zusammengeschlossen haben und nach gemeinsamen Qualitätsstandards arbeiten.

Strafrechtliche Aspekte

Werden pädophile Neigungen in Handlung umgesetzt, sind im Regelfall zugleich strafrechtliche Normen verletzt, die sexuelle Handlungen mit Kindern zum Gegenstand haben. Auch die Verwendung von Pornofilmen mit Kindern sind gesetzlich verboten.

Vorurteile sind weitverbreitet

Leider kursieren Halbwahrheiten und Vorurteile in gesellschaftlichen Debatten und in der Berichterstattung der Medien. Die Bezeichnung Pädophilie und Probleme werden oft nicht im sexualwissenschaftlichen Sinne verwendet. Leider wird häufig Menschen mit pädophilen Neigungen grundsätzlich unterstellt, Kinder sexuell zu missbrauchen. Personen, deren sexuelles Interesse Jugendlichen gilt, werden in der Öffentlichkeit ebenfalls oft als Pädophile bezeichnet, obwohl es sich aus sexualmedizinischer Sicht hierbei um eine hebephile Neigung handelt. Es wäre zu wünschen, dass die wissenschaftlichen Informationen in der Öffentlichkeit mehr zur Kenntnis genommen werden.

Häufigkeit: Wissenschaftliche Erhebungen stehen nicht zur Verfügung. Experten schätzen, dass 0.1 bis 1% der Bevölkerung pädophile Neigungen haben.

April 19/Ap

Weitere Informationen
Expertenartikel_Pädophilie
Pädophilie ist keine Wahl
Pädophilie_2

Sadomasochismus oder BDSM

Als Sadomasochismus wird in der Regel eine sexuelle Neigung verstanden, bei der ein Mensch Lust oder Befriedigung durch die Zufügung oder das Erleben von Schmerz, Macht oder Demütigung empfindet. Die Bezeichnung entsteht aus einer Zusammenziehung der beiden Begriffe Sadismus und Masochismus. Die beiden Begriffe wurden erstmals 1886 von Richard von Krafft-Ebing in seinem Buch „Psychopathia sexualis“ verwendet. Er bezieht sich hierbei auf die Werke der Schriftsteller de Sade, dessen Romane pornografische Inhalte mit Gewaltfantasien mischen, und Sacher-Masoch, der in mehreren Werken den Lustgewinn durch Schmerz und Unterwerfung schildert.

 

BDSM – ein sexuelles Rollenspiel

Es gibt Menschen zu dessen sexuellen Vorlieben sadomasochistische Sexualpraktiken gehören. Unbedenklich ist BDSM, wenn ein Paar, das sich in der Beziehung sonst auf Augenhöhe begegnet, zur Vergrösserung von Lust und Erregung einvernehmlichen BDSM beschliesst. Dafür werden vor dem BDSM – Rollenspiel vorher feste Regeln abgemacht an die sich beide halten müssen. Das gilt nicht nur für diverse Rollenspielvarianten. Gerade auch wenn bestimmte Techniken und Werkzeuge zum Einsatz kommen, ist es wichtig, sicher, einvernehmlich und mit gesundem Menschenverstand dabei zu sein.

Schlagen, Kneifen, Beißen, Fesseln, Lederklamotten und verbundene Augen. Zwei Menschen in klar definierten Rollen, entweder unterwürfig oder dominant: Das sind nur die bekanntesten Elemente von BDSM. Die sexuelle Spielart wird rasch als etwas Verruchtes, schlimmstenfalls gleich als gestörtes Verhalten stigmatisiert. Die aktuelle Sexualmedizin erachtet einvernehmlichen Sadomasochismus oft einfach als eine Vielfalt sexueller Neigungen. So sind Menschen mit sadomasochistischen Vorlieben auch nicht psychisch instabiler als andere Menschen.

Problematischer Sadomasochismus oder BDSM

Sexuelle Straftaten sind sexuelle Handlungen, die gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen gerichtet sind. Nicht einvernehmlicher Sadomasochismus wird als sexueller Missbrauch, sexuelle Gewalt oder Nötigung beurteilt und sind Straftaten. Dazu gehören Vergewaltigungen, sexuelle Belästigungen und Übergriffe.

Aber auch für Menschen, welche sich nicht genau über den Einsatz von Instrumenten wie Rohrstock, Feuer, Eis, Fesseln und Fetische oder auch Blut und andere Körperflüssigkeiten informiert und nicht entsprechend vorbereitet ist kann es schnell gefährlich werden – körperlich und seelisch. So kommen nach BDSM-Spielen immer wieder Infektionen, ungewollte Verletzungen bis zum Tod durch Ersticken vor.

Problematisch kann es auch werden, wenn der sadistische oder masochistische Partner im Alltag auch in eine entsprechende Rolle verfällt. Aus diesem Grund wurde auch von feministischer Seite die Nähe zu althergebrachten Rollenmustern aus patriarchalischer gesellschaftlichen Verhältnissen kritisiert.

 

März 2019/Ap

Sonstige Störungen der Sexualpräferenz

Es gibt eine Vielzahl anderer relativ ungewöhnlicher sexueller Präferenzen und Aktivitäten.
Hierzu gehören obszöne Telefonanrufe, das Pressen des eigenen Körpers an andere Menschen in Menschenansammlungen oder öffentlichen Verkehrsmitteln zum Zweck der sexuellen Erregung (Frotteurismus), sexuelle Handlungen an Tieren (Sodomie, sexuelle Handlungen an Toten (Nekrophilie) oder Schlafenden (Somnophilie), Strangulation und Nutzung der Anoxie zur Steigerung der sexuellen Erregung oder eine Vorliebe für Partner mit bestimmten anatomischen Abnormitäten, wie z.B. amputierten Gliedmaßen.
Das Schlucken von Urin (Urophilie), Verschmieren von Kot (Koprophilie), das Essen von Kot (Koprophagie) oder das Durchstechen von Vorhaut oder Brustwarzen (Vampirismus) können zu den sadomasochistischen Verhaltensweisen gezählt werden.
Es gibt viele verschiedene Masturbationsrituale. Ausgefallenere Praktiken wie das Einführen von Gegenständen in das Rektum oder die männliche Urethra (Harnröhre) oder die unvollständige Eigenstrangulation erreichen dann das Stadium der Abweichung, wenn sie anstelle gebräuchlicher sexueller Praktiken stehen.
Sexuelles Verlangen nach und gegebenenfalls sexuelle Befriedigung im Kontakt mit Menschen sehr hohen Lebensalters (Gerontophilie) beiderlei Geschlechts. Dabei sind hetero- und homosexuelle Varianten möglich. Wenn der Kontakt zu Greisinnen und Greisen gesucht wird, die ihre Zustimmung aufgrund ihres Geisteszustandes nicht geben können, ist es eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung.