Gesteigertes sexuelles Verlangen

Sexsucht – Hypersexualität

Unter Hypersexualität wird ein erhöhtes sexuelles Verlangen und ein gesteigertes sexuell motiviertes Handeln verstanden. Für den Begriff „Sexsucht“ oder „Hypersexualität“ gibt es in der Medizin noch keine allgemeingültige Definition. So ziehen einige Experten auch die Begriffe „zwanghafte Sexualität“ oder «sexsüchtiges Verhalten» vor.

Ähnlich wie beim zu „schnellen“ und „verzögerten“ Orgasmus gibt es keine vernünftigen, wissenschaftlichen Gründe, sich festzulegen, wie viele Sex normal und wieviel zu viel ist, was noch normal und was krankhaft ist.

Dass es aber schädigendes, „krankhaftes“ sexuelle Suchtverhalten gibt, besteht kein Zweifel, obwohl diese Problematik noch keinen Eingang in die amerikanische DSM 5 von 2015 oder das ICD-1,1 das die WHO 2019 oder 2020 veröffentliche wird. Seit längerem wenden sich zunehmendem Betroffene oder ihre Partner, mit verschiedenen Varianten von Sexsucht an Sexualtherapeuten oder Sexualmediziner für eine Beratung oder Therapie, weil ihr Leidensdruck doch erheblich ist.

Die Erscheinungsformen von „Sexsucht“ unterscheiden sich in:

·         Seit langem existieren werden Begriffe wie Nymphomanie bei der Frau und «Donjuanismus» beim Manne im allgemeinen Sprachgebrauch, Filmen oder Büchern verwendet worden. Mit diesen alten Begriffen sind Personen gemeint, die ihre Sexualpartner häufig wechseln, resp. häufig Seitensprünge machen.  Sie verhalten bezüglich STI risikoreich und gefährden so die Gesundheit von sich und ihren Partnern.

·         „Liebessüchtige“ Menschen wollen zwanghaft immer wieder das Gefühl des Verliebtseins erlangen und erobern sich für Affären möglichst viele neue Partner oder suchen Seitensprünge.

·         Sexsucht innerhalb einer Partnerschaft. Einige Sexsüchtige verlangen von ihren Partnern übermässig viel Sex. Diese Personen weisen ein zwanghaftes Sexualverhalten auf. Die Bedürfnisse des Partners werden meist übergangen und grenzen an sexuellen Missbrauch. Der Sexsüchtige ist unersättlich, drängt nach noch mehr Sex und ist danach auch nicht befriedigt, fühlt sich leer. Um zum Samenerguss zu kommen brauchen immer stärkere Reize.

·         Abhängigkeit von Masturbation. Häufiges masturbieren, ohne nach dem Samenerguss entspannt zu sein oder sexuelle Befriedigung zu erlangen. Manchmal werden Pornos miteinbezogen.

·         Pornosucht. Die Betroffenen beschäftigen sich sehr oft mit Pornos, suchen jede Gelegenheit, um auf dem PC oder dem Smartphone sich einen Porno anzuschauen.

·         Cybersex existiert seit den 1990er Jahren. Darunter werden verschiedene Formen der virtuellen Erotik, sexueller Interaktion und Pornografie bezeichnet, die mit Hilfe eines Computers oder Smartphones ausgelebt werden. Es kann sich um Betrachtung und/oder Masturbation beim Konsumieren pornografischer Bilder sein. Andere stimulieren sich sexuell über sexuell anzüglichen Chats oder den Austausch erotischer E-Mails innerhalb von Fernbeziehungen oder verwenden sogenannte Datenhelme.

Ursachen

Die Ursachen für „Sexsucht“ sind noch zu wenig erforscht. Experten gehen von einem biopsychosozialen Geschehen aus. Dabei dürften die Konstitution (Hormone, Hirnfunktion), psychische Faktoren (Persönlichkeit, insbesondere auch Beziehungsfähigkeit) und äussere Lebensumstände (Beziehungen, Stress), aber auch die gute Verfügbarkeit von Pornos eine Rolle spielen.

Körperlich können eine spezielle Form von Demenz, Hirnverletzungen oder Medikamente wie Antiparkinson-Mittel (Dopamin) zu hypersexuellem Verhalten führen.

Symptome und Leiden „sehnsüchtiger“ Menschen

Mensch mit Sexsucht realisieren, dass sie ihr Sexualverhalten nicht mehr unter Kontrolle haben; das Kerngefühl ist: „ich kann nicht ohne, es entzieht sich meinem freien Willen“. Der Sexsüchtige realisiert häufig, dass das zwanghafte Sexualverhalten ihm nicht gut tut. Der Betroffene braucht oft viel Zeit für sein zwanghaftes Verhalten, verliert allgemein Interesse an allem: Hobbys, Arbeit, sozialen Beziehungen, so dass er oft einsam ist und an emotionaler Verarmung leidet. Die Sexualität macht kein Spass mehr, ist nicht befriedigend und hinterlässt eine innere Leere. Lebt der Betroffene in einer festen Beziehung beeinträchtigt sein Verhalten und seine Zurückgezogenheit die Partnerschaft, so dass die Paare sich auseinanderleben und meist oft streiten. Der Partner fühlt sich abgewiesen, da er realisiert, dass dem Betroffenen seine Sucht wichtiger ist.

Manche Sexsüchtige sind nicht mehr in der Lage sich auf Paarbeziehung einlassen.

Häufigkeit: Nach Schätzungen sind 3-5% der Bevölkerung betroffen. Männer 5-mal häufiger.

März 2019/Ap

Weitere Informationen:

Zeit PODCAST vom 11. Juni 2018