Sexuelle Gewalt und sexueller Missbrauch

Sexuelle Gewalt und sexueller Missbrauch

Sexuelle Gewalt und sexueller Missbrauch und ist nach wie vor ein stark tabuisiertes Thema. Bei sexueller Gewalt sind zwei Erwachsene betroffen, bei denen Sexualität nicht einvernehmlich zu Stande kam. Oft handelt es sich um häusliche Gewalt, wo Opfer und Täter in einer Partnerschaft sind. Unter sexuellem Missbrauch versteht man, wenn Personen andere Menschen, die von ihnen abhängig, sind sexuell belästigen oder gar missbrauchen. Missbrauchsopfer sind Kinder oder Jugendliche, die noch minderjährig sind. Bei den Opfern kann es sich aber auch um widerstandsunfähige Erwachsene handeln wie Kranke, Behinderte, Hilfsbedürftige oder Gefangene. In Behandlungs- und Betreuungsverhältnissen, z. B. Psychotherapie werden sexuelle Kontakte als Missbrauch seitens des professionellen Helfers gewertet, auch wenn der Klienten oder Patient mit den sexuellen Handlungen einverstanden ist. Diese sexuellen Handlungen werden als Ausnutzung einer Machtposition gewertet und sind ebenfalls strafbar. Die Dunkelziffer dürfte sowohl bei sexueller Gewalt als auch bei sexuellem Missbrauch erheblich sein, da die Datenerhebung ein diffiziles unterfangen ist. Unbestritten ist, dass mehr Mädchen und Frauen betroffen sind. Experten gehen von einer Unterschätzung, des Ausmass der Problematik aus.

Sexuelle Gewalt und sexueller Missbrauch unter Jugendlichen wird meist unterschätzt. In einer Studie aus Holland gaben 15,8% der weiblichen und 7,5% der männlichen Jugendlichen an, schon einmal von anderen Jugendlichen sexuelle Gewalt erfahren zu haben. [1] In Schweden waren es 13.5% der Mädchen und 5.5% der Jungen. [2]

Eine Befragung von Schülern der 9. Klasse aus der Schweiz (Optimus Studie) [3] ergab, dass 22% der Mädchen und 8% der Jungen schon ein oder mehrmals einen sexuellen Übergriff, bei dem es zu körperlichem Kontakt kam, erlebten. 27% der Mädchen und 33% der Jungs sagten, sie seien schon fünfmal oder noch öfters Opfer von sexuellen Belästigungen über das Internet geworden.

Die in der Literatur referierten Daten zum Anteil der Frauen, die im Laufe ihres Lebens Opfer von sexuellen Übergriffen geworden sind variieren von 10 -35%. [4] Alkohol und Drogen spielen bei sexuellen Übergriffen eine wichtige Rolle. In der Schweiz ist bei 26 Prozent der Sexualdelikte Alkohol im Spiel.

Häusliche Gewalt

Mit dem Begriff « häusliche Gewalt » sind Gewalt in Familien gemeint. Meist spielen sich die Taten in den eigenen vier Wänden ab – verborgen vor der Öffentlichkeit. Sexuelle Gewalt in Beziehungen gehört demnach auch dazu und geschieht nicht selten. Dahinter verbergen sich viele Tragödien, gerade weil es sich um Menschen handelt, die sich geliebt haben oder immer noch Lieben. Die Mehrheit betrifft zwar noch Männer, aber längst nicht mehr ausschliesslich. Es sind aber auch Frauen, die ihre Männer verprügeln oder sogar Kinder, die ihre Eltern quälen oder Mütter und Väter, die Gewalt gegen ihre eigenen Kinder anwenden. Häufig geschehen solche Dramen unter Alkohol oder Drogeneinfluss. In 80% ist laut der Kriminalstatistik eine Frau das Opfer von häuslicher Gewalt, bei 1 von 5 ist die Frau der Täter. Am häufigsten sind dabei Tätlichkeiten, Drohungen und Beschimpfungen unter Paaren. Die Dunkelziffer ist hoch. An die Öffentlichkeit gelangen solche Fälle häufig nur dann, wenn es um extreme Gewalt geht, wie etwa bei Tötungsdelikten. Zudem ist häusliche Gewalt schambeladen: Viele Opfer – Männer noch mehr als Frauen – verheimlichen Taten und erlittene Ernidrigung oft lange für sich, weil sie die Unverständnis und Ausgrenzung fürchten. [5]

[1] Kuyper L., de Wit J, Adam P, Woertman L. Speak up now! Astudy on unwanted sexual behaviour and experience among joung people. Utrecht: University Utrecht Rutgers Nisso Groep; 2010

[2] Priebe G. et al. Asolescents’ expieriences of sexal abuse chararcteristics, disclosure, health and ethical aspects. Lund University; 2009, p.50

[3] Optimus Studie Schweiz, Zürich 2012. www.optimusstudy.org.

[4] Beier KM, Bosinski, HAG, Loewit K. Sexualmedizin, S. 563ff. Elsevier GmbH, München 2005.

[5] Baumgartner F.  Häusliche Gewalt – Der bedrohliche Partner NZZ Online 23.3.2015