Prävention gegen sexuell übertragbare Infektionen (STI)

SEX GOLDENE REGELN

1. Sprechen Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin über Sex, Ihre Bedürfnisse und Infektionsrisiken

Eine erfolgreiche Prävention hängt wesentlich davon ab, ob Sie und Ihr Partner offen über sexuell übertragbare Infektionen (STI) sprechen können. Wie wollen Sie auch sonst erfahren, ob Ihr Partner in seiner Vergangenheit Risiken eingegangen ist? Ob Sie der erste Sexualpartner sind? Ob er schon mit einer STI angesteckt ist und davon weiss? Ob er sich schon auf STI testen liess?

Was auf der Hand liegt und einfach klingt, ist für viele Menschen nicht so leicht. Manche sind bei sexuellen Angelegenheiten oft peinlich berührt und genieren sich, darüber zu sprechen. Andere haben Angst vor Uneinigkeiten oder als «Bünzli»  abgewertet zu werden. Viele Menschen brauchen all ihren Mut, um über Sex zu sprechen.

Und doch lohnt es sich. Der Partner fühlt sich normalerweise erleichtert, wenn Sie sich getrauen, die Fragen nach STI zu stellen. Sie werden sehen: Wenn einmal der Anfang gemacht ist, wird es einfacher.

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Regel 1: Sprechen über Sex

«Daniel und ich versuchen, immer im Gespräch zu bleiben.

Auch wenn’s mal nicht so gut läuft.»

2. Lassen Sie Ihren STI-Status am Anfang einer Beziehung testen

STI heisst «sexually transmitted infections» oder «sexuell übertragbare Infektionen».Der STI-Status gibt an, ob jemand mit einer STI infiziert ist. Eine sichere Diagnose kann nur mittels eines Tests erfolgen. Tests gibt es für HIV, Syphilis, Chlamydien, Hepatitis B und Gonorrhö.

Bei den ersten Dates informieren Partnersuchende den Partner über ihr Risikoverhalten oft ungenau oder manchmal sogar falsch – das zeigen Studien und die Erfahrung der Ärzte. Viele verschweigen ihren «positiven» STI-Status oft aus Angst vor Abweisung oder Trennung. Ein grosser Anteil der STI-Infizierten weiss nichts von einer Infektion, weil sie keine Symptome haben, schlecht informiert sind oder weil sie das Risiko unterschätzen. In diesen Situationen bringen eine Konsultation beim Arzt und die Durchführung von STI-Tests Klärung. Frauen können Ihren Gynäkologen bei der jährlichen Vorsorgeuntersuchung auf das Thema STI ansprechen.

Der Arztbesuch kann auch vom Paar zusammen gemacht werden – sinnvollerweise am Anfang einer Beziehung. Ein gemeinsamer STI-Test beim Arzt oder an einer Teststelle bringt viele Vorteile, wie der 27jährige Angelo zu berichten weiss. Er hat seine Partnerin zu einem gemeinsamen HIV-Test mit der Bemerkung eingeladen: «Wir können das Testresultat zusammen abholen und haben dann sicher keine Geheimnisse mehr voreinander.» Völlige gegenseitige Offenheit schafft Sicherheit und Vertrauen.

Lehnt ein möglicher Partner das gemeinsame Testen ab, stellen sich Fragen. Hat er nichts zu verbergen, spricht ja nichts gegen Offenheit und einen Arztbesuch. Fragen Sie nach seinen Gründen. Vielleicht hat er Angst und verdrängt lieber seine Risiken. Nur ist eine Vogelstrauss-Politik hier fehl am Platz. Liegt Ihnen viel am Partner, versuchen Sie ihn zu überzeugen, dass nur hinschauen hilft, die Angst zu überwinden. Oder hat er etwas zu verbergen? Dann ist es erst recht wichtig, die eigenen Bedürfnisse nicht zurückzustellen.

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Regel 2: Status kennen

3. Lassen Sie sich gegen HPV und Hepatitis B impfen

Lassen Sie sich impfen, denn Impfungen sind der beste Schutz vor Infektionskrankheiten. Werden Impfungen von der ganzen Bevölkerung angewendet, vermag eine Impfung Krankheiten völlig zum Verschwinden zu bringen, wie das mit der Kinderlähmung und den Pocken geschehen ist. Impfungen gibt es gegen zwei STI: Hepatitis B und HPV. Optimal sind Impfungen vor dem ersten Sexualkontakt, also im Kinder- und Jugendalter.

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Regel 3: Impfung

4. Gehen Sie bei Symptomen sofort zum Arzt und informieren Sie Ihre Partnerin oder Ihren Partner

Wann soll ich zum Arzt gehen? Bei Beschwerden, Schleimhaut- und Hautveränderungen im Genital-Bereich. Auch Menschen mit mehreren Sexpartnern wird empfohlen, jährlich einen Arzt aufzusuchen und sich testen zu lassen. Viele STI können keine oder atypische Symptome zeigen gleich wie grippeähnliche Beschwerden. Nur ein Arzt kann sie diagnostizieren und behandeln. Genieren Sie sich nicht, den Arzt alles zu fragen, denn das Wissen über Ihren Körper und die sexuell übertragbaren Infektionen schützt Sie vor Krankheiten und sexuellen Störungen.

Informieren Sie auch Ihre Ihren Partner oder Ihre Partnerin über Ihre Beschwerden. Nur wenn auch Partner sich untersuchen und behandeln lassen, kann eine Rückinfektion ausgeschlossen werden. Bei Chlamydien, Gonorrhö und Syphilis ist sexuelle Abstinenz erforderlich, bis die Behandlung von beiden Partnern abgeschlossen ist. Andernfalls kommt es zum «Ping-Pong-Effekt», bei dem man sich immer wieder gegenseitig ansteckt.

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Regel 4: Arzt aufsuchen

Mehr über die Symptome

Regel 4: Symptome

«Ich war wie unter Schock, als ich die Arztdiagnose hörte: Herpes Genitalis.

War Thomas fremdgegangen und hatte mich angesteckt?»

5. Erkennen Sie Risikosex und vermeiden Sie Sex unter Alkohol oder Drogen

Sogenannte «Risikogruppen» sind viel häufiger Träger einer sexuell übertragbarer Infektion (STI) als die Allgemeinbevölkerung. Zu den Risikogruppen zählen:

  • Menschen mit häufigem Partnerwechsel
  • Prostituierte und ihre Kunden
  • Männer, die mit Männern Sex haben
  • Menschen, die sich Drogen in die Venen spritzen
  • Menschen aus Ländern mit grossen STI-erkrankten Bevölkerungsanteilen, etwa in Subsahara Afrika.

Seien Sie sich über die Risiken bewusst. Dazu zählen auch One-Night-Stands und Besuche von Dark Rooms.

One-Night-Stands finden oft unter Drogeneinfluss statt –manchmal mit unbekannten oder verschiedenen Partnern in einer Nacht. Nicht selten werden solche sexuellen Abenteuer nach dem Rausch schwer bereut.

Viele junge Menschen trinken Alkohol, um ihre Unerfahrenheit zu überspielen. Andere brauchen Alkohol gegen Hemmungen bei der Partnersuche und Sexualität. Alkohol führt wie die Partydrogen zu mehr Risikoverhalten, auch bezüglich sexuell übertragbarer Krankheiten. Besonders alarmierend ist, dass der Alkoholkonsum bei Jugendlichen in den letzten Jahren zugenommen hat.

Trinken Sie Alkohol nur zum Genuss; zu einem guten Essen oder bei einem besonderen Anlass, aber in Massen. Möchten Sie Sexualität, dann beschränken Sie am besten die Alkoholmenge, damit Sie auch den Sex geniessen können. Hemmungen bei der Partnersuche und Befangenheit beim ersten Sex kennen viele Menschen. Stehen Sie dazu und sprechen Sie mit dem Partner darüber. Die meisten schätzen solche Offenheit und stufen Sie als mutig ein. Reagiert ein Partner unangenehm, ist es vielleicht nicht der Richtige.

Drogen und Alkohol

Regel 5: Drogen und Alkohol

Risikosex vermeiden

Regel 5: Risikosex vermeiden

«Letzte Woche habe ich in einer Bar einen Mann kennen gelernt.

Wir tranken viel und landeten schliesslich bei ihm im Bett.

Ich weiss nicht mal mehr, ob wir ein Kondom verwendet haben.»

6. Verwenden Sie Kondome

Das Kondom hält das Präejakulat (Lusttropfen) und das Ejakulat (Samenflüssigkeit)  zurück, so dass die Frau/ der Mann mit diesen Körperflüssigkeiten nicht in Berührung kommt. Umgekehrt bedeckt das Kondom die Eichel und den Harnröhrenausgang, die Eintrittspforten für Mikroben beim Mann. Wichtig ist, das Kondom auch beim Oralverkehr anzuwenden, da viele STI beim Oralverkehr übertragen werden können.

Wie gross ist die Schutzwirkung von Kondomen in der Praxis? Die heutigen, qualitativ guten Latexkondome sind für Viren und Bakterien undurchlässig. Trotzdem schützen Kondome in der Praxis leider nicht zu 100 Prozent. Der genaue Schutzfaktor ist schwierig zu quantifizieren, nicht zuletzt, weil das Sexualverhalten der Forschung schwer zugänglich ist. Ausserdem ist nicht jede STI gleich ansteckend. Eine bedeutende Ursache bei Kondomversagern sind Anwendungsfehler. Beim Sexualverkehr sind in der Regel viele Emotionen im Spiel. Da können Kondome auch mal abrutschen oder platzen. Auch können Genitalflüssigkeiten z.B. über die Hände an die Schleimhäute gelangen. Sexualität ist eben nicht vergleichbar mit den Hygienebedingungen in einem Operationssaal.

Wie gut schützen Kondome?

Regel 6: Wie sicher sind Kondome

Wie verwende ich Kondome richtig?

Regel 6: Kondome sicher verwenden

Welche Kondomgrössen gibt es?

Regel 6: Kondomgrössen

«Ich habe mich nicht getraut, sie nach einem Aids-Test zu fragen.

Und dann schliefen wir ohne Kondom miteinander.

Ich weiss nicht mal, ob sie die Pille nimmt. Warum fehlt mir immer der Mut bei solchen Themen?»