Humane Papillomaviren (HPV)

HPV sind die häufigsten sexuell übertragbaren Viren, denn sie sind hoch ansteckend und werden durch Intimkontakte übertragen; dies bedeutet die Ansteckung mit HPV findet durch Geschlechtsverkehr (vaginal, anal), aber auch durch Oralverkehr sowie Petting und Schmierinfektion, statt.

Eine HPV-Infektion wird meist nicht bemerkt, weil sie anfänglich keine Krankheitssymptome verursacht. Ein Teil dieser Viren können nach Monaten zu Genitalwarzen oder nach Jahren zu Vorstufen und zu Krebs zum Beispiel Gebärmutterhalskrebs führen. Gebärmutterhalskrebs ist der häufigste Krebs bei Frauen. Bei Frauen und Männer kann es zu anderen Krebsgeschwüren an Genitalien, Mund, Rachen (Oralverkehr) oder Haut kommen.
Die HPV-Impfung kann bei Frauen und Männern vor den wichtigsten krebsverursachenden Typen Schützen. Die Impfung wirkt in der frühen Pubertät am besten, also vor den ersten sexuellen Kontakten.

Was ist eine HPV-Infektion?

Über hundert verschiedene Typen von Humanen Papillomaviren (HPV) sind bekannt. Vierzig von diesen HPV-Typen können sexuell übertragen werden, das heisst sie können zu Infektionen der Haut und Schleimhaut führen. HPV-Infektionen gehören weltweit zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten.

60 bis 80 Prozent der sexuell aktiven Personen in der Schweiz stecken sich mindestens einmal während ihres Lebens mit HPV an. Normalerweise treten nach einer Ansteckung durch HPV keine Beschwerden auf. Aus diesem Grund geschehen die meisten HPV-Übertragungen unwissentlich. In 90% der Fälle heilt eine HPV Infektion innerhalb ein bis zwei Jahren von selbst aus. Sie hinterlässt aber keine Immunität (Unempfänglichkeit für Krankheitserreger), so dass im Verlaufe des Lebens eine mehrmalige Ansteckung möglich ist.

Trotzdem ist Gebärmutterhals bei Frauen die vierthäufigste Krebserkrankung. In der Schweiz werden jedes Jahr bei etwa 5000 Frauen Krebsvorstufen und müssen sich unter Umständen einem operativen Eingriff unterziehen.

In der Schweiz sind HPV-Infektionen auch hauptverantwortlich für die Entstehung von Analkrebs oder weniger häufige Krebserkrankungen an Geschlechtsorganen und Rachenraum.

Eine von 10 Personen erkranken im Verlaufe Ihres Lebens an Genitalwarzen.

HPV Infektionen können schwerwiegende Folgen haben

Immerhin verlaufen etwa 10 Prozent der Ansteckungen mit dem HP-Virus chronisch und können nach einigen Monaten zu Genitalwarzen führen (häufigste Typen: HPV-6 und -11) oder nach Jahren zu Krebsvorstufen zum Beispiel von Gebärmutterhals hervorrufen (häufigste Typen: HPV-16 -18-31, -33, -45, -52, -58).

HPV-bedingter Krebs

HPV Typen der Hochrisikogruppen können Jahre nach der Infektion abnormale Zellen verursachen. Werden diese Veränderungen nicht frühzeitig entdeckt und entfernt, können sie sich beispielsweise zu Gebämutterhalskrebs entwickeln. Aus diesem Grund sind regelmässige Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt angezeigt.

Mögliche Krebsarten sind:

-Gebärmutterhals                – Scheidenkrebs

-Vulvakrebs,                         – Peniskrebs

-Analkrebs                            – Mund- und Rachenkrebs

HPV-bedingte Genitalwarzen

Genitalwarzen treten frühestens nach 2-3 Monaten auf und sind so gross wie Stecknadeln, manchmal wie Himbeeren, und können die umliegende Haut entzünden und schmerzhaft sein. Sie beeinträchtigen meist die Sexualität. Männer und Frauen sind zu gleichen Teilen betroffen.

bei Männern vor allem:                              bei Frauen vor allem:

– am Penisschaft, auf der Vorhaut            – an den Schamlippen

– im Analbereich                                         – am Scheideneingang

– im Mund und Rachen                              – im Analbereich

Wie wird eine HPV-Infektion übertragen?

Durch vaginalen, analen und oralen Sexualverkehr, Petting, durch Schmierinfektion (Genitalflüssigkeiten über Hand auf Haut oder Schleimhaut übertragen) oder bei der Geburt von der Mutter aufs Kind.

Wie werden Genitalwarzen und Krebs einer HPV-Infektion diagnostiziert?

Genitalwarzen: Sie werden vom Arzt durch Blickdiagnose und Tasten festgesellt.
Gebärmutterhalskrebs: Durch einen Gebärmutterhalsabstrich (PAP-Test) bei der routinemässigen Krebsvorsorgeuntersuchung werden Vorstufen und Krebs erkannt. Auch geimpfte Frauen können auf die Vorsorge nicht verzichten, da in 25 Prozent der Fälle der Zellveränderungen und Gebärmutterhalskrebs von anderen HPV-Typen verursacht wird.

Wie wird behandelt?

Antivirale Medikamente gegen das HPV gibt es nicht.

Für die Behandlung von Genitalwarzen bestehen verschiedene Behandlungsmethoden.
Krebsvorstufen und Krebs werden chirurgisch und medikamentös behandelt.

Müssen sich auch Partner behandeln lassen?

Informieren Sie ihre Sexpartner oder Sexpartnerinnen über die Infektion mit Genitalwarzen. Diese können sich dann entscheiden, wieviel Risiko sie beim Sex eingehen wollen. Streben zwei Partner eine feste Beziehung an, lohnt sich ein gemeinsames Gespräch bei einer Fachperson vor dem ersten Sexualkontakt. Treten beim Partner auch Genitalwarzen auf, lohnt sich ein gemeinsames Behandlungssetting, um den Ping-Pong-Effekt auszuschalten.

Wie kann ich mich schützen?

Mädchen und Jungs wird empfohlen sich zwischen 11-14 Jahren, vor Beginn der sexuellen Aktivität, gegen die neun häufigsten HPV-Typen impfen zu lassen. In der Schweiz haben nur 5% der Jugendlichen schon vor dem 15 Altersjahr sexuelle Kontakte. Ausserdem reagiert das Immunsystem in der frühen Pubertät am besten. Empfohlen wird die HPV Impfung gleichzeitig mit der Hepatitis B-Impfung zu machen.
Jungen Erwachsenen, die noch nicht geimpft sind, wird eine Impfung bis zum 26. Geburtstag empfohlen.
·         Kondomen wirken bei Sexualverkehr nur begrenzt, weil schon intime Haut- oder Schleimhaut-Kontakte für eine Ansteckung ausreichen.

·         Frauen wird empfohlen alle ein bis zwei Jahre zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Dort wird ein PAP-Test durchgeführt, um Vorstufen des Gebärmutterhalskrebs zu erkennen. Diese Vorsorgeuntersuchung wird allen Frauen trotz Impfung empfohlen, weil die Impfung nicht gegen alle krebserregenden HPV-Typen wirkt. So können schon krebsvorstufen erkannt und operativ entfernt werden.

Bei Auftreten von Genitalwarzen suchen Sie einen Arzt auf.

Geschichte aus dem Leben

Linda, 20, Röntgenassistentin
«Ich hatte erst zwei Beziehungen. Wo kamen diese hässlichen Warzen her? Wie sollte ich damit einen Partner finden?»
Linda, eine 20-jährige Röntgenassistentin, lernte den 22-jährigen Studenten Max kennen. Beide waren sehr verliebt und nach wenigen Wochen machte Max erste sexuelle Avancen. Aber Linda zierte sich. Früher war sie anders gewesen. Jetzt wusste sie nicht, wie sie sich verhalten sollte. Sie hegte ein gut gehütetes Geheimnis, das sie Max noch nicht verraten hatte: Sie litt unter Genitalwarzen.
Das kam so: Eines Tages kratzte sie sich im Genitalbereich, weil sie etwas irritierte und schaute mit einem kleinen Spiegel nach, was da war. Sie bemerkte kleine dunkle Flecken, die sich etwas härter als die Umgebung anfühlten. Weil sie das beunruhigte, vereinbarte sie einen Termin bei ihrer Frauenärztin. Die Diagnose lautete: Genitalwarzen.
Diese werden durch Viren mit dem Namen HPV verursacht und werden beim Sex übertragen. Die Frauenärztin zeigte ihr an den Schamlippen und am Scheideneingang kleine Warzen. «Die sahen eklig aus. Ich schämte mich dafür. Wie sollte ich damit einen Partner finden?»
Linda konnte sich nicht vorstellen, wie sie zu diesen Warzen gekommen war. «Ich hatte erst zwei Beziehungen. Die erste dauerte drei Jahre und ging vor einem Jahr auseinander. Die letzte dauerte nur vier Monate. Bei beiden Jungs bemerkte ich nie solche Dinger, das wäre mir sofort aufgefallen.»
Die Ärztin erklärte Linda, dass es viele Männer wie auch Frauen gibt, die solche Viren in den Schleimhäuten beherbergen – ohne es zu merken. Manchmal, nach Monaten oder einem Jahr, entstehen daraus Genitalwarzen. In 9 von 10 Fällen heilt die Infektion komplikationslos ab und die Viren verschwinden wieder aus dem Körper.
Linda bekam nun eine Salbe, die sie auftragen musste. Nach der ersten Kur war es nur wenig besser, zwei weitere folgten. Dann sah man keine Warzen mehr. Für Linda war es schwierig gewesen, Max ihr Geheimnis zu verraten. Max reagierte aber nicht mit Ablehnung oder Beziehungsabbruch, als sie ihm ihr Geheimnis verriet sondern fasste es als Vertrauensbeweis auf. Sie beschlossen gemeinsam Lindas Frauenärztin zu konsultieren und das gemeinsame Vorgehen zu besprechen. Dadurch vertieften sich Beziehung und gegenseitiges Vertrauen.

Datum: 21.Januar 2019/Ap